Ein Design kann als flaches Bild gut aussehen und völlig anders wirken, sobald es auf einem gewölbten und beweglichen Körper platziert wird. Bei der Platzierung müssen die Form der anatomischen Fläche, die Komposition, die natürliche Haltung und Bewegung des Körpers, der Winkel, aus dem das Tattoo am häufigsten gesehen wird, sowie vorhandene und zukünftige Tattoos miteinander verbunden werden. Ein Design wird daher nicht platziert, indem ein fertiges Bild lediglich verkleinert, vergrößert oder auf eine freie Fläche geklebt wird. Die Komposition wird für die tatsächliche Form des Körpers entwickelt.
Dieser Ratgeber richtet sich an Menschen, die:
Zuerst werden die Form der Fläche, die verfügbare Breite und Höhe, Verengungen und Erweiterungen, flachere und stärker gewölbte Bereiche, anatomische Achsen, Übergänge, Gelenke und Beugestellen beurteilt.
Auch die Drehung von Arm oder Bein und die Veränderung der Fläche bei Bewegung müssen berücksichtigt werden. Die Komposition muss Muskelfasern nicht wörtlich folgen, sollte aber die tatsächliche Form und Bewegung des Bereichs verstehen, auf dem sie liegt.
Beurteilt werden das Hauptmotiv, der visuelle Schwerpunkt, die Blick- oder Bewegungsrichtung, das Verhältnis großer und kleiner Elemente, Negativraum, die Ränder des Designs sowie das Verhältnis von Breite zu Höhe.
Wichtig ist außerdem, wo das bedeutendste Detail endet und ob die Gesamtkomposition aus der Entfernung verstanden werden kann, aus der das Tattoo im Alltag meistens betrachtet wird.
Berücksichtigt werden sollte, wie die Person natürlich steht, aus welchem Winkel das Tattoo am häufigsten gesehen wird und was vorne bleibt, während andere Teile auf die Seiten- oder Rückfläche übergehen.
Vorhandene Tattoos, spätere Pläne, das Verhältnis eines Einzelmotivs zu einer größeren Komposition sowie gewünschte Sichtbarkeit und Kleidung beeinflussen die Entscheidung ebenfalls. Sichtbarkeit und das Verhältnis zur Kleidung sind persönliche Kriterien und keine allgemeinen Regeln.
Ein Foto und ein Bildschirm stellen eine dreidimensionale Fläche als flaches Bild dar. Am Körper kann die Wölbung einen Teil des Motivs verkürzen, verbreitern, verformen oder an der Seite verbergen.
Die Drehung von Arm oder Bein verändert, was sichtbar ist. Gelenke und Muskeln verändern die Form der Fläche bei Bewegung, und ein Tattoo wird die meiste Zeit betrachtet, während die Person natürlich steht – nicht während sie für ein perfektes Foto posiert.
Ein Foto der Körperstelle ist für die erste Planung hilfreich, reicht für die endgültige Beurteilung der Platzierung jedoch nicht aus.
Der wichtigste Teil des Designs sollte nicht zufällig am Rand, auf der stärksten seitlichen Wölbung oder an einer Stelle enden, an der er nur aus einem gezielt eingerichteten Winkel sichtbar ist.
Teilweise Sichtbarkeit ist nicht automatisch falsch. Sie kann ein beabsichtigter Teil der Komposition sein, doch der Kunde sollte verstehen, aus welchem Winkel das Motiv lesbar ist und was verborgen bleibt.
Breite, schmale, runde und längliche Kompositionen passen nicht gleich gut auf jede Fläche.
Wenn das Verhältnis eines Designs nicht zur Körperstelle passt, besteht die Lösung nicht immer nur im Verkleinern. Manchmal müssen Elemente neu angeordnet, die Richtung verändert oder eine andere Komposition entwickelt werden.
Große Formen tragen die Grundstruktur und Lesbarkeit, während kleinere Elemente sie ergänzen. Wenn jedes Detail die gleiche Aufmerksamkeit verlangt, kann die Komposition ihren klaren Schwerpunkt verlieren.
Nicht alle Elemente sind gleich wichtig. Es muss klar sein, was die Idee trägt und was unterstützend wirkt.
Freier Raum ist keine ungenutzte Haut. Er trennt Elemente, lenkt den Blick, verbessert die Lesbarkeit und verhindert, dass die Komposition zu einer zusammengedrängten Masse wird.
Negativraum kann ebenso wichtig sein wie Linien, Farbe oder Schattierung.
Ein Design sollte nicht zufällig wie ein abgeschnittenes Rechteck enden, wenn die Körperform einen weicheren Übergang, eine Umwicklung oder einen offeneren Abschluss verlangt.
Die Ränder bestimmen, ob das Tattoo wie ein auf den Körper geklebtes Bild oder wie eine für diese Fläche entwickelte Komposition wirkt.
Es gibt keine allgemeingültige Regel, nach der ein Gesicht immer nach innen schauen, ein Motiv zum Herzen ausgerichtet sein, eine Figur niemals nach unten zeigen oder ein Tattoo vollständig von vorne sichtbar sein muss.
Eine praktische Regel entsteht aus einem tatsächlichen Problem mit Lesbarkeit, Anatomie oder Bewegung.
Ein wichtiges Detail sollte beispielsweise nicht ohne Grund an einer Stelle liegen, an der es ständig geknickt, verborgen oder verformt wird.
Eine Konvention ist eine übliche Art der Platzierung, die oft gut funktioniert, aber nicht verpflichtend ist.
Ein Gesicht oder Tier wird häufig so ausgerichtet, dass es visuell zur Mitte der Komposition oder des Körpers führt. Das kann einen besseren Fluss erzeugen, bedeutet aber nicht, dass jede andere Richtung falsch ist.
Eine Konvention kann gebrochen werden, wenn der Tätowierer die Konsequenz versteht, der Kunde weiß, was er akzeptiert, und die Entscheidung Stil, Bewegung oder Bedeutung des Projekts unterstützt.
Das Problem ist nicht die Abweichung von einer Regel. Das Problem ist eine zufällige Folge, die erst nach der Ausführung bemerkt wird.
Ein Übergang über ein Gelenk ist nicht automatisch falsch. Ein Gelenk kann bewusst Teil einer großen Komposition sein und mehrere Flächen miteinander verbinden.
Problematisch wird es, wenn Bewegung einen Teil durchschneidet, verbirgt oder verformt, der stabil und lesbar bleiben muss. Ein Gesicht, Auge, Text oder anderes Schlüsselelement verlangt deshalb oft eine sorgfältigere Position.
Die Platzierung sollte bei entspanntem Körper und in der grundlegenden Bewegung geprüft werden. Das Design muss nicht in jeder Position völlig gleich aussehen, doch die Veränderungen sollten seine Hauptfunktion nicht zerstören.
Ein eigenständiges Tattoo kann als abgeschlossene Einheit auf der gewählten Fläche funktionieren.
Trotzdem sollte geprüft werden, ob es den besten Platz für ein Projekt einnimmt, das die Person möglicherweise später plant. Wenn keine größere Komposition geplant ist, ist das kein Problem – die Folge sollte jedoch bewusst sein.
Wenn ein Tattoo Teil eines Sleeves, Rückenprojekts oder einer anderen größeren Komposition ist, sollten Form, Richtung, Ränder und Negativraum eine spätere Verbindung ermöglichen.
Ein gutes Einzelmotiv kann ein ganzes zukünftiges Projekt erschweren, wenn es ohne Plan für den Rest der Fläche platziert wird.
Ein neues Design muss nicht im gleichen Stil wie vorhandene Arbeiten ausgeführt werden, sollte aber bewusst klären:
Das Ignorieren vorhandener Tattoos kann zufällige Lücken, widersprüchliche Richtungen oder visuelle Unordnung erzeugen.
Das Problem entsteht, wenn ein fertiges Bild nur proportional verkleinert oder vergrößert wird, ohne es an die tatsächliche Fläche anzupassen.
Die Lösung kann in einer Veränderung des Verhältnisses, der Ränder, der Elementanordnung, der Richtung oder der Art liegen, wie sich die Komposition zum Körper öffnet.
Ein wichtiger Teil kann außerhalb des natürlichen Blickwinkels liegen und nur aus einer bestimmten Pose lesbar sein.
Das ist nicht zwingend ein Fehler, wenn es beabsichtigt ist. Der Kunde sollte jedoch vorher wissen, aus welchem Winkel das Motiv sichtbar ist und welcher Teil verborgen bleibt.
Die Richtung wird anhand des Blicks des Motivs, der Bewegung der Komposition, des Verhältnisses zur Körperachse und der Absicht des Projekts beurteilt.
Keine einzelne Regel löst jede Situation. Problematisch wird es, wenn die Richtung zufällig oder entgegen der restlichen Komposition wirkt.
Das Motiv kann unnatürlich zusammengedrückt werden, sich außerhalb des Blickfelds um den Körper wickeln oder seinen visuellen Schwerpunkt verlieren.
Die Lösung kann eine andere Anordnung, ein verändertes Verhältnis oder die Wahl einer Fläche sein, die besser zur Form des Designs passt.
Ein Gesicht, Auge, Text oder anderer wichtiger Teil kann verformt, verkürzt oder nur aus einem Winkel sichtbar werden.
Ein solches Detail sollte manchmal auf einen stabileren Teil der Fläche verschoben werden, während der stärker gewölbte Bereich für sekundäre Elemente oder Übergänge genutzt wird.
Das Problem ist nicht der Übergang über das Gelenk selbst, sondern die Position des Teils, der stabil und lesbar bleiben muss.
Wenn Bewegung ein Gesicht, einen Text oder das Hauptsymbol durchschneidet, sollte die Position oder Komposition überarbeitet werden.
Für ein Foto kann der Körper gedreht, gestreckt oder so positioniert werden, dass die Komposition besser wirkt als in einer alltäglichen Haltung.
Die primäre Beurteilung sollte erfolgen, während die Person natürlich steht und die Körperpartie ohne besondere Positionierung hält.
Ein kleines eigenständiges Tattoo kann die zentrale oder beste Stelle für einen späteren Sleeve, ein Rückenprojekt oder eine größere verbundene Komposition besetzen.
Das ist nicht falsch, wenn die Person kein größeres Projekt plant. Ist eines geplant, sollte die Position der aktuellen Arbeit im Verhältnis zum zukünftigen Gesamtbild beurteilt werden.
Ein neues Design kann ungünstige Lücken, kollidierende Richtungen, unpassende Größen oder zufällige Überschneidungen visueller Flächen erzeugen.
Die Lösung besteht nicht zwingend darin, alles im gleichen Stil zu verbinden, sondern in einer bewussten Entscheidung über das Verhältnis der Arbeiten zueinander.
Wenn ein Design nicht passt, bewahrt reines Verkleinern oft das falsche Verhältnis und zu viele Elemente.
Mögliche Alternativen sind:
Das Stencil oder die Probeplatzierung sollte geprüft werden:
Ein Stencil ist nicht unantastbar. Es kann vor dem Beginn entfernt und neu gesetzt werden, wenn Position, Richtung oder Verhältnis zum Körper nicht stimmen.
Eine kleine Korrektur der Position vor dem Beginn ist kein unwichtiges Detail. Einige Zentimeter oder eine geringe Änderung des Winkels können verändern, wie die gesamte Komposition am Körper funktioniert.
Zoran Pocrnić – Žvaki, Anubis Tattoo / Osijek–Čepin